Klimarisikoanalyse in der Praxis
Warum Klimarisikoanalysen für Unternehmen entscheidend sind
Der Klimawandel betrifft längst nicht nur Politik und Gesellschaft, sondern auch direkt die Geschäftswelt. Überschwemmungen, Hitzewellen oder Lieferengpässe können Abläufe stören und erhebliche Kosten verursachen. Gleichzeitig entstehen neue Chancen durch klimafreundliche Technologien oder veränderte Märkte.
Eine Klimarisikoanalyse hilft, diese Entwicklungen systematisch zu erfassen. Sie macht Risiken sichtbar, bewertet ihre Folgen und zeigt auf, welche Maßnahmen am dringendsten erforderlich sind. Damit wird sie zu einem wichtigen Baustein des Risikomanagements – für kleine und große Unternehmen gleichermaßen.
TÜV Rheinland Consulting (TRC) und CLIMADA Technologies bündeln ihre Kompetenzen für präzise Klimarisikoanalysen und den Aufbau strategischer Klimaresilienz. TRC bringt dabei langjährige Expertise im Bereich Regulatorik und Risikomanagement ein, während CLIMADA Technologies mit einer wissenschaftlich validierten Open-Source-Plattform robuste, transparente und vergleichbare Modelle liefert. Das gemeinsame Angebot unterstützt Organisationen dabei, Klimarisiken nicht nur zu identifizieren und zu quantifizieren, sondern gezielt zu steuern und mit Blick auf Compliance-Anforderungen sicher zu dokumentieren.
Ziel und Nutzen der Klimarisikoanalyse
Die Klimarisikoanalyse liefert Antworten auf zentrale Fragen:
- Welche klimabedingten Gefahren sind für mein Unternehmen relevant?
- Wie anfällig sind unsere Standorte und Prozesse?
- Welche Investitionen lohnen sich, um Risiken zu reduzieren?
Damit lassen sich Entscheidungen faktenbasiert treffen. Unternehmen sichern ihre Stabilität und gewinnen gleichzeitig Handlungsspielraum für Innovation und Wachstum.
Die drei Kernelemente einer Klimarisikoanalyse
Eine Klimarisikoanalyse besteht aus drei ineinandergreifenden Schritten:
- Klimagefahren identifizieren – z. B. Überschwemmungen, Starkregen, Stürme oder steigende Temperaturen.
- Vulnerabilität analysieren – die Anfälligkeit von Gebäuden, Standorten oder Prozessen bewerten. Faktoren sind z. B. Lage, Bauweise, Alter und Nutzung.
- Wesentlichkeit bewerten – festlegen, welche Gefahren die Unternehmensziele am stärksten bedrohen und daher zuerst behandelt werden müssen.
Arten von Risiken
Es wird zwischen transitorischen und physischen Risiken unterschieden:
- Transitorische Risiken entstehen durch den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft, etwa durch strengere Regulierungen, neue Technologien, verschobene Marktanforderungen oder Reputationsverlust.
- Physische Risiken sind die direkten Folgen des Klimawandels. Akute Risiken wie Starkregen oder Stürme treten plötzlich auf, während chronische Entwicklungen wie Temperatur- oder Meeresspiegelanstieg langfristig wirken.
Klimarisikoanalyse mit TÜV Rheinland
Um Klimarisiken systematisch zu bewerten und passende Maßnahmen abzuleiten, folgen wir einem strukturierten Ablauf:

- Untersuchungsobjekte festlegen – Standorte, Lieferketten oder Prozesse auswählen.
- Gefahren identifizieren und bewerten – prüfen, welche Risiken auf Gebäude, Infrastruktur oder Versorgungssysteme wirken.
- Szenarioanalyse durchführen – mithilfe von IPCC-Szenarien (RCP- und SSP-Pfade) mögliche klimatische Entwicklungen durchspielen.
- Auswirkungsanalyse erstellen – Eintrittswahrscheinlichkeit und Folgen bestimmen, von Gebäudeschäden über Produktionsausfällen bis zum Verlust von Wettbewerbsfähigkeit.
- Anpassungslösungen priorisieren – Maßnahmen nach Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit ordnen.
Klimaszenarien im Überblick
Unsere Analysen stützen sich auf wissenschaftliche Projektionen des Weltklimarats (IPCC):
- RCP2.6 (SSP1): moderat optimistisches Szenario mit +1,3 bis +2,4 °C bis Ende des Jahrhunderts
- RCP4.5 (SSP2): mittleres Szenario mit +2,1 bis +3,5 °C, gilt als wahrscheinlichster Verlauf
- RCP8.5 (SSP5): Worst Case mit +3,3 bis +5,7 °C bei ungebremsten Emissionen
Je höher die Erwärmung, desto häufiger und intensiver treten Extremereignisse auf.
Wie Risiken berechnet werden
Physische Klimarisiken ergeben sich aus drei Dimensionen:
- Gefahr: Wahrscheinlichkeit und Intensität eines Ereignisses
- Exposition: Ausmaß, in dem ein Standort betroffen sein kann
- Vulnerabilität: Anfälligkeit von Gebäuden oder Prozessen, beeinflusst durch Bauweise, Alter, Nutzung oder Schutzmaßnahmen

Diese Faktoren ergeben Kennzahlen wie erwartete jährliche Schäden oder Extremverluste.
Case Study: Hafen und Transport GmbH
Das Unternehmen Hafen und Transport GmbH betreibt sieben Standorte im norddeutschen Raum, darunter mehrere Häfen und Bürogebäude. Im Jahr 2025 besteht aktuell ein minimales Klimarisiko. Sichere mitteleuropäische Standorte ohne größere Unterbrechungen.
Unter dem Worst-Case-Szenario für 2080 verändert sich das Bild jedoch deutlich: Küstenstandorte sind dann stark von Überschwemmungen und Stürmen betroffen, urbane Standorte leiden unter Hitzewellen und Starkregen.
Die direkten Schäden betreffen Gebäude und Infrastruktur, indirekt kommt es zu Produktivitätsverlusten oder Lieferkettenunterbrechungen. Für die Praxis bedeutet das: Küstenstandorte benötigen gezielte Schutzmaßnahmen, während in Städten der Umgang mit Hitze und Starkregen im Fokus stehen muss.

Anpassungsmaßnahmen
Anpassungen können baulich oder organisatorisch sein. Beispiele sind Hochwasserschutzanlagen und begrünte Dächer zur Kühlung, aber auch Sensibilisierungskampagnen für Mitarbeitende oder die Anpassung interner Prozesse. Entscheidend ist die Priorisierung nach Wirkung, Wirtschaftlichkeit und Zeitrahmen, damit die größten Risiken zuerst adressiert werden.
Verbindung zum Risikomanagement
Die Ergebnisse einer Klimarisikoanalyse lassen sich direkt in klassische Risikomatrizen übertragen. Eintrittswahrscheinlichkeiten und finanzielle Auswirkungen werden damit vergleichbar und können in die strategische Planung integriert werden. Das bündelt Erkenntnisse aus Gefahr für die untersuchten Systemelemente (z.B. Gebäude oder Stromversorgung) und Sensitivität und zeigt, wo Maßnahmen zuerst greifen müssen.