Dual-Use denken: So gelingt die Synergienutzung
In Zeiten angespannter Haushalte, wachsender Bedrohungslagen und zunehmender Klimarisiken gewinnt ein Thema an strategischer Bedeutung: die Mehrfachnutzung von Infrastruktur, bekannt als Dual-Use.
Ob Liegenschaften, Kommunikationssysteme oder Transportlogistik: Zivile und militärische Infrastrukturen lassen sich nicht nur gemeinsam denken, sondern auch effizient gemeinsam nutzen. Der Ukrainekrieg, Pandemien und Naturkatastrophen haben gezeigt: Resilienz erfordert Integration. Zwischen zivilen Behörden, der Bundeswehr und der Industrie.
Gleichzeitig ist die Planung solcher Synergien alles andere als trivial. Der Schlüssel liegt in frühzeitiger, systematischer und sektorenübergreifender Koordination, mit konkreten Standards, Schnittstellen und Nutzungsszenarien. Dieser Beitrag zeigt auf, wie Dual-Use-Infrastrukturen heute gedacht, geplant und realisiert werden können und welche Best Practices sich bereits bewährt haben.
Warum Dual-Use-Infrastruktur heute ein strategisches Thema ist
Mehrere Entwicklungen machen Dual-Use-Infrastruktur zur Pflichtaufgabe:
- Zeitenwende in der Sicherheitsarchitektur: Der verstärkte Fokus auf Landes- und Bündnisverteidigung verlangt nach leistungsfähiger, robuster und skalierbarer Infrastruktur – auch im Inland.
- Klimawandel & Katastrophenrisiken: Extremwetterlagen, Waldbrände oder Hochwasser erfordern einsatzbereite Ressourcen – oft binnen Stunden.
- Effizienz & Nachhaltigkeit: Gemeinsame Nutzung senkt Kosten, reduziert Flächenverbrauch und erhöht Auslastung – ohne zusätzliche Ressourcenbindung.
- Haushaltslage & Personalengpässe: Geteilte Infrastrukturen entlasten Verwaltungs- und Betriebspersonal.
Beispielhafte Dual-Use-Szenarien:
| Zivile Nutzung | Militärische Nutzung |
| Notunterkünfte im Katastrophenfall | Truppenunterkünfte |
| Großküchen in Katastrophenschutzlagen | Versorgungseinrichtungen der Bundeswehr |
| Digitalfunk BOS | Taktische Kommunikationssysteme |
| Transportlogistik der Bundespolizei | Verlegung militärischer Einheiten |
Dual-Use ist nicht länger eine Option, es ist eine Notwendigkeit für eine resiliente und zukunftsfähige Sicherheitsarchitektur.
Planungsprinzipien: So denkt man Synergien systematisch mit
Damit Dual-Use-Strukturen funktionieren, braucht es systematische Planung:
- Frühzeitige Integration in die Bedarfsplanung
- Bedarfe aus zivilem Katastrophenschutz und militärischer Landesverteidigung werden bislang oft getrennt gedacht.
- Im Idealfall erfolgt die Konzeption gemeinsam, von Beginn an.
- Normierung & Standardisierung
- Gemeinsame Nutzung setzt kompatible Schnittstellen, Infrastruktur-Standards und digitale Vernetzung voraus.
- Beispiel: Kompatible Strom- und Wasseranschlüsse, gemeinsame Funkstandards.
- Intersektorale Zusammenarbeit
- Planung muss auf allen Ebenen eingebunden werden: BMDV, BBK, BMI, BMVg, Bundeswehr, Länderbehörden.
- Industriepartner (z. B. Logistiker, IT-Dienstleister) frühzeitig einbinden.
- Flexibilität durch modulare Bauweise
- Gebäude, Lager oder Führungsstellen sollten skalierbar und umrüstbar sein – für Friedens- wie Krisenzeiten.
- Beispiel: Turnhallen mit Notstrom, die im Ernstfall als Führungsstelle genutzt werden können.
Praxisbeispiele: Wie Dual-Use bereits erfolgreich gelebt wird
- Kasernen als Katastrophenschutzzentren
- In mehreren Bundesländern werden ehemalige Kasernen als Notunterkünfte oder Lagezentren genutzt.
- Beispiel: Kaserne in Niedersachsen dient im Normalbetrieb als Ausbildungsstätte – im Notfall als Evakuierungszentrum mit Notstrom, Wasserbevorratung und medizinischer Infrastruktur.
- Gemeinsame Liegenschaftsnutzung von Feuerwehr & Bundeswehr
- In Nordrhein-Westfalen wird ein Feuerwehr-Ausbildungszentrum räumlich mit einer Bundeswehr-Einrichtung koordiniert betrieben. Einsparpotenzial bei Infrastruktur und Schulungsressourcen.
- Verkehrsinfrastruktur mit Verteidigungsoption
- Brücken, Straßen und Häfen werden bei Neubauten zunehmend „militärisch mitgedacht“ – Stichwort: militärische Mobilität im Rahmen der NATO-Planung.
- Beispiel: NATO-Anforderung für Brückenlasten wird in Planungsunterlagen des BMVI (jetzt BMDV) integriert.
- Digitalinfrastrukturen für zivil-militärische Krisenkommunikation
- Gemeinsame Nutzung von Kommunikationsnetzwerken (z. B. BOS-Digitalfunk) zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit in hybriden Bedrohungslagen.
Herausforderungen & Empfehlungen für die Umsetzung
- Herausforderungen
- Rechtliche Trennung zwischen zivil und militärisch bleibt ein Planungshemmnis.
- Finanzierungssilos erschweren gemeinsame Projekte.
- Fehlende Governance-Strukturen für intersektorale Projekte.
- Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen bei IT-Infrastrukturen.
- Empfehlungen
- Verbindliche Dual-Use-Leitlinien in der Bundesbauordnung und im Raumordnungsrecht verankern.
- Finanzierungsmodelle mit Kofinanzierung von BMI, BBK und BMVg aufsetzen.
- Regelmäßige Dialogformate zwischen öffentlicher Hand und Industrie etablieren.
- Pilotprojekte auf Landkreisebene fördern, mit wissenschaftlicher Evaluation und Transferoptionen.
Fazit & Ausblick
Wer heute Infrastruktur plant, kann es sich nicht leisten, sie monofunktional zu denken. Die Welt der Gefahren ist vernetzt – unsere Reaktionen müssen es auch sein. Dual-Use-Infrastruktur ist ein zentraler Baustein der deutschen Resilienzarchitektur. Systematisch geplant, intersektoral umgesetzt und flexibel betrieben – so gelingt zukunftssichere Infrastruktur im 21. Jahrhundert.
Derzeit entstehen in verschiedenen Bundesländern spannende Pilotprojekte. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Erfahrungen zu systematisieren, zu skalieren und regulatorisch abzusichern.
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Er ist nicht nur strategischer Berater mit Bundeswehr-Erfahrung, sondern in seiner Rolle als Geschäftsführer ebenso verantwortlich für die erfolgreiche Umsetzung komplexer sicherheitsrelevanter Projekte. Er berät dadurch Entscheider:innen auf Augenhöhe – mit derselben Perspektive auf Risiken, Pflichten und die strategische Bedeutung resilienter, digitaler und nachhaltiger Infrastruktur.