Product Carbon Footprint (PCF) und Corporate Carbon Footprint (CCF) – Was ist der Unterschied?

Product Carbon Footprint (PCF) und Corporate Carbon Footprint (CCF) – Was ist der Unterschied?

PCF und CCF – Wir entwirren zwei Schlüsselbegriffe:
Treibhausgasbilanzen von Produkten und Unternehmen im Vergleich

Ein Beitrag von Phillip Fischer

Der Product Carbon Footprint (PCF) misst die gesamten Treibhausgasemissionen eines Produkts oder einer Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Der Corporate Carbon Footprint (CCF) hingegen misst die Emissionen einer Organisation, einschließlich direkter und indirekter Einflüsse. Der PCF hilft Konsumierenden, informierte Kaufentscheidungen zu treffen, während der CCF Unternehmen bei der Bewertung und Verbesserung ihrer Nachhaltigkeitsleistung unterstützt.

Inhaltsverzeichnis

Der Klimawandel stellt eine drängende globale Herausforderung dar. Um klimaschädliche Emissionen zu reduzieren, gilt es, diese im ersten Schritt zu erfassen. Denn nur was bekannt ist, kann auch gesteuert werden. Zwei Schlüsselbegriffe, die dabei häufig auftauchen, sind „Product Carbon Footprint“ (PCF) und „Corporate Carbon Footprint“ (CCF). Obwohl beide Konzepte eng miteinander verbunden sind, gibt es wichtige Unterschiede zwischen ihnen.

Was ist der Product Carbon Footprint (PCF)?

Der Product Carbon Footprint (PCF), zu Deutsch „Produktklimabilanz“ oder „Produktemissionsbilanz“, ist eine Methode zur Bewertung der Klimaauswirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg. Zum Lebenszyklus zählen Herstellung, Nutzung und Entsorgung. Dieser Ansatz zielt darauf ab, alle Treibhausgasemissionen (THG) zu quantifizieren, die mit einem bestimmten Produkt oder auch einer Dienstleistung verbunden sind. Der PCF ist ein leistungsstarkes Instrument zur Identifizierung von besonders emissionsintensiven Stellen. Damit dient er auch der Unterstützung von Entscheidungstragenden bei der Entwicklung von Strategien zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen.

Wie wird ein PCF berechnet?

Aktuell wird zur Erstellung eines Product Carbon Footprints (PCF) die Norm DIN EN ISO 14067 verwendet. Diese Norm basiert auf der PAS 2050, einer international einheitlichen Methode zur Quantifizierung der CO2-Bilanz von Produkten und Dienstleistungen, die vom British Standards Institute vorgestellt wurde. Zusätzlich stützt sich die Norm auf den Produktstandard des Greenhouse Gas Protocols (GHG).

Was ist das Greenhouse Gas Protocol (GHG)?

Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) wurde vom World Resources Institute (WRI) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) entwickelt. Es entstand in den späten 1990er-Jahren als Antwort auf die wachsende Notwendigkeit für eine standardisierte Methode zur Messung und Berichterstattung über Treibhausgasemissionen. Die erste Version des GHG Protocols wurde im Jahr 2001 veröffentlicht, gefolgt von einer Reihe von Aktualisierungen und Erweiterungen, um den sich wandelnden Anforderungen und Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung gerecht zu werden. Heute ist das GHG Protocol weltweit anerkannt und wird von Unternehmen, Regierungen und Organisationen verwendet, um ihre Klimabilanz zu erfassen und zu verwalten.

Konkret wird hierbei wie folgt vorgegangen:

Um den Product Carbon Footprint zu berechnen, werden alle direkten und indirekten Treibhausgasemissionen berücksichtigt, die mit dem gesamten Lebenszyklus eines Produkts verbunden sind. Dies umfasst typischerweise fünf Hauptphasen:

  • Rohstoffgewinnung und -produktion,
  • Herstellung und Verarbeitung,
  • Transport und Logistik,
  • Nutzung sowie
  • End-of-Life-Entsorgung.

Während jede Phase unterschiedliche Arten von Emissionen aufweisen kann, wird der gesamte Lebenszyklus eines Produkts betrachtet, um eine umfassende Bewertung seiner Klimaauswirkungen zu ermöglichen.

Die erste Phase, Rohstoffgewinnung und -produktion, umfasst die Extraktion oder Ernte von natürlichen Ressourcen, die für die Herstellung des Produkts benötigt werden, sowie die Verarbeitung dieser Rohstoffe in produktionsfertige Materialien. Diese Phase kann eine erhebliche Menge an Emissionen verursachen, insbesondere wenn energieintensive Prozesse wie Bergbau oder die Herstellung von Chemikalien beteiligt sind. Indem der PCF diese Phase berücksichtigt, ermöglicht er es Unternehmen, den Einfluss ihrer Beschaffungsmethoden und Materialauswahl auf die Gesamtemissionen zu verstehen und zu optimieren.

Die Herstellungs- und Verarbeitungsphase bezieht sich auf die eigentliche Produktion des Produkts, einschließlich aller verarbeitenden Prozesse, Montage- und Verpackungsaktivitäten. Dieser Abschnitt des Lebenszyklus kann sowohl direkte als auch indirekte Emissionen umfassen, einschließlich der Energie, die für die Stromversorgung von Maschinen und Anlagen benötigt wird, sowie der Emissionen, die durch den Einsatz von Chemikalien und anderen Produktionsmaterialien entstehen. Durch die Identifizierung von Effizienzverbesserungen und die Einführung von Technologien zur Emissionsminderung können Unternehmen dazu beitragen, den PCF während dieser Phase zu reduzieren.

Transport und Logistik sind ein weiterer wichtiger Aspekt des PCF, der die Emissionen umfasst, die mit der Beförderung von Rohstoffen, Produkten und Komponenten während des gesamten Produktlebenszyklus verbunden sind. Dies umfasst den Transport von Rohstoffen zu Produktionsstandorten, den Versand fertiger Produkte an Kundschaft sowie den Transport von Abfall zur Entsorgung. Durch die Optimierung von Transportrouten, die Nutzung effizienterer Transportmittel und die Reduzierung von Leerfahrten können Unternehmen die Emissionen während dieser Phase minimieren und gleichzeitig Kosten senken.

Was sind Treibhausgasemissionen?
Treibhausgasemissionen sind Gase, die in die Atmosphäre freigesetzt werden und den Treibhauseffekt verstärken, wodurch die Erde erwärmt wird. Zu den Haupttreibhausgasen zählen Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄), Distickstoffoxid (N₂O) und fluorierte Gase. Sie werden in sogenannten Kohlenstoffdioxidäquivalenten (CO₂e) gemessen. Diese Gase entstehen durch menschliche Aktivitäten wie die Verbrennung fossiler Brennstoffe, industrielle Prozesse, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft. Die erhöhte Konzentration dieser Gase in der Atmosphäre führt zu globalen Klimaveränderungen, wie höheren Temperaturen, extremen Wetterereignissen und dem Anstieg des Meeresspiegels, was weitreichende Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft hat. Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen ist daher entscheidend für den Klimaschutz.      

Die Nutzung oder Gebrauchsphase eines Produkts bezieht sich auf den Zeitraum, in dem das Produkt von Verbraucher*innen verwendet wird. Während dieser Phase können Emissionen entstehen, die direkt mit dem Energieverbrauch des Produkts verbunden sind, wie zum Beispiel der Energieverbrauch eines Autos oder die Stromnutzung eines elektronischen Geräts. Der PCF ermöglicht es Unternehmen, den Energieverbrauch ihrer Produkte zu bewerten und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Reduzierung der Emissionen während der Nutzung zu ergreifen.

Schließlich umfasst die End-of-Life-Entsorgungsphase die Entsorgung des Produkts am Ende seiner Lebensdauer. Dies kann die Deponierung in Mülldeponien, das Recycling oder die Verbrennung umfassen. Jede dieser Entsorgungsmethoden hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Umwelt und kann unterschiedliche Mengen an Treibhausgasemissionen verursachen. Durch die Förderung von Recycling und die Entwicklung von Produkten mit einem niedrigeren Umwelteinfluss am Ende ihrer Lebensdauer können Unternehmen den PCF reduzieren und zur Schonung natürlicher Ressourcen beitragen.

Klimaauswirkungen von Produkten mit dem PCF bewerten

Insgesamt bietet der Product Carbon Footprint Unternehmen, Verbraucher*innen und Regierungen einen umfassenden Ansatz zur Bewertung der Klimaauswirkungen von Produkten. Indem alle Phasen des Produktlebenszyklus berücksichtigt werden, können Unternehmen potenzielle Hotspots für Emissionen identifizieren und gezielte Maßnahmen zur Emissionsreduzierung entwickeln. Dieser Ansatz trägt nicht nur zum Umweltschutz bei, sondern bietet auch wertvolle Informationen für Verbraucher*innen, die fundierte Entscheidungen treffen möchten, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Was ist der Corporate Carbon Footprint (CCF)?

Eine Methode, die Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt, ihre Klimaauswirkungen zu quantifizieren und zu analysieren, ist der Corporate Carbon Footprint, zu Deutsch „Unternehmensklimabilanz“. Der Corporate Carbon Footprint ist eine Methode zur Berechnung der Gesamtemissionen, die von einem Unternehmen über seinen gesamten Betriebszyklus hinweg verursacht werden. Diese Emissionen umfassen alle direkten und indirekten Ausstoßquellen, angefangen bei den Emissionen aus der Verbrennung von Brennstoffen in Fabriken und Firmenfahrzeugen bis hin zu den indirekten Emissionen, die durch die Stromerzeugung für den Betrieb von Büros und Produktionsanlagen entstehen. Ebenso werden Emissionen betrachtet, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens anfallen und nicht direkt durch die eigenen Aktivitäten des Unternehmens verursacht werden.

Wie wird der CCF berechnet?

Die Berechnung des Corporate Carbon Footprints beinhaltet eine umfassende Analyse aller Aktivitäten und Prozesse eines Unternehmens, die zu Treibhausgasemissionen führen können. Dies umfasst u.a. die Produktion von Waren und Dienstleistungen, den Energieverbrauch, den Transport von Materialien und Produkten sowie die Entsorgung von Abfällen. Durch die Identifizierung und Bewertung dieser verschiedenen Quellen von Treibhausgasemissionen können Unternehmen besser verstehen, wo ihre Klimaauswirkungen liegen und welche Bereiche am dringendsten Maßnahmen erfordern.        

Auch beim CCF bietet eine ISO-Norm Orientierung bei der Erstellung. Die Normenreihe 14064 zielt darauf ab, dass Unternehmen und Organisationen einheitliche – und somit miteinander vergleichbare – Treibhausgasbilanzen erstellen. Ebenso kann sich am GHG Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard orientiert werden.

Durch den CCF können Unternehmen ihre Klimaleistung steuern

Ein wesentlicher Aspekt des Corporate Carbon Footprints ist seine Funktion zur Ermittlung von Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung und zur Steigerung der Klimaleistung eines Unternehmens. Indem Unternehmen ihren CCF quantifizieren und analysieren, können sie gezielte Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Treibhausgasbilanz ergreifen. Dies kann die Implementierung energieeffizienterer Technologien, die Umstellung auf erneuerbare Energien, die Optimierung von Lieferketten und Transportrouten oder die Förderung eines nachhaltigen Produktions- und Verbrauchsverhaltens umfassen.

Der Corporate Carbon Footprint bietet Unternehmen nicht nur die Möglichkeit, ihre Klimaauswirkungen zu reduzieren, sondern kann auch einen positiven Einfluss auf ihr Image und ihre Reputation haben. In einer zunehmend umweltbewussten Gesellschaft suchen Verbraucher*innen und Investor*innen verstärkt nach Unternehmen, die sich aktiv für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzen. Ein transparenter und glaubwürdiger Umgang mit dem Thema Klimawandel durch die Veröffentlichung und Kommunikation des Corporate Carbon Footprints kann das Vertrauen der Verbraucher*innen stärken und dazu beitragen, das Engagement und die Loyalität der Kunden*innen zu fördern.

Insgesamt ist der Corporate Carbon Footprint ein wertvolles Instrument für Unternehmen, um ihre Klimaauswirkungen zu verstehen, zu bewerten und zu reduzieren. Durch die Integration von Umweltzielen in ihre Geschäftsstrategien und -praktiken können Unternehmen nicht nur zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen, sondern auch langfristige wirtschaftliche Vorteile erzielen. Indem Unternehmen aktiv Maßnahmen zur Emissionsreduzierung ergreifen und ihre Treibhausgasbilanz verbessern, können sie eine nachhaltigere Zukunft für sich selbst und kommende Generationen schaffen.

Exkurs: Scope-1-, 2- und 3-Emissionen

Bei der Berechnung von Carbon Footprints werden die Emissionen in drei verschiedenen Scopes betrachtet. Die Unterteilung ist auf die Entstehung der Emissionen zurückzuführen.

Scope-1-Emissionen beziehen sich auf direkte Treibhausgasemissionen, die durch Aktivitäten entstehen, die ein Unternehmen oder eine Organisation direkt kontrolliert oder verursacht. Dazu gehören beispielsweise Emissionen aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen in Firmenfahrzeugen oder Heizungsanlagen sowie Prozessemissionen in der Produktion.

Scope-2-Emissionen hingegen beziehen sich auf indirekte Treibhausgasemissionen, die durch die Erzeugung von zugekauftem Strom, Dampf oder Wärme entstehen, die ein Unternehmen nutzt. Dies umfasst beispielsweise Emissionen, die durch die Verbrennung von Kohle, Öl oder Gas in Kraftwerken zur Stromerzeugung entstehen, die dann von einem Unternehmen gekauft werden.

Schließlich umfassen Scope-3-Emissionen alle anderen indirekten Emissionen, die durch die Aktivitäten eines Unternehmens entstehen, jedoch außerhalb seiner direkten Kontrolle liegen. Dazu gehören beispielsweise Emissionen, die durch die Herstellung von Rohstoffen, den Transport von Waren oder die Nutzung der Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens entstehen. Insgesamt unterscheidet das GHG Protocol dabei 15 Kategorien. Scope-3-Emissionen können daher einen erheblichen Anteil am Gesamtausstoß eines Unternehmens ausmachen, sind aber oft schwieriger zu quantifizieren und zu reduzieren.

Der Unterschied im Fokus und Anwendungsbereich

Der wesentliche Unterschied zwischen dem PCF und dem CCF liegt somit im Fokus und Anwendungsbereich. Während sich der PCF auf die Klimaauswirkungen eines einzelnen Produkts oder einer konkreten Dienstleistung konzentriert und Verbraucher*innen dabei hilft, informierte Kaufentscheidungen zu treffen, betrachtet der CCF die Gesamtemissionen einer Organisation und ermöglicht es Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu bewerten und zu verbessern. Beide Konzepte sind jedoch eng miteinander verbunden, da die Reduzierung des PCF häufig einen integralen Bestandteil der Bemühungen eines Unternehmens zur Verringerung seines CCF darstellt.

Fazit

In einer Zeit, in der der Klimawandel eine akute Bedrohung darstellt, sind die Konzepte des Product Carbon Footprints und des Corporate Carbon Footprints von entscheidender Bedeutung, um die Klimaauswirkungen von Produkten und Organisationen zu verstehen und zu verringern. Indem Unternehmen und Verbraucher*innen sich über ihre Emissionen bewusst werden und Maßnahmen zur Reduzierung ergreifen, können wir gemeinsam zu einer nachhaltigeren und klimafreundlicheren Zukunft beitragen.


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Cathrin Ribbrock