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ZNU-Standard Nachhaltiger Wirtschaften: Ganzheitliche Nachhaltigkeit

Ein Beitrag von Guido Plettner

Das Thema Nachhaltigkeit ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Und es gibt in Deutschland nur den ZNU-Standard, der alle Aspekte umfasst.

Gute Absichten haben mitunter die Eigenschaft, dass sie zunächst abstrakt sind. Sie definieren lediglich ein Ziel, doch der Weg dorthin wird erst im Nachgang bestimmt. Auch mit der Nachhaltigkeit war es nicht viel anders. Als Mitte des letzten Jahrzehnts die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen definiert wurden, war deren Umsetzung in den UN-Dokumenten lediglich skizziert. Die Gesetze, Standards und Maßnahmen dazu mussten nach Inkrafttreten der Ziele im Januar 2016 unter Mitwirkung vieler Experten erarbeitet werden.

Seitdem ist tatsächlich sehr viel passiert – auch im Bewusstsein der Menschen. Nachhaltigkeit ist im Jahr 2024 eine Selbstverständlichkeit, und das trifft auch für die Wirtschaft zu. Zwar gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Gesetzen und Regulierungen, die Nachhaltigkeit von den Unternehmen einfordern, doch immer mehr Firmen und Organisationen entwickeln eine intrinsische Motivation, nachhaltiger zu wirtschaften. Weil es ihre Kunden, Angestellten, Geschäftspartner oder Mitglieder von ihnen erwarten, oder weil deren Management erkennt, dass nachhaltiges Denken und Handeln der beste Weg ist, ein Unternehmen für die Zukunft vorzubereiten.

In vielen Bereichen der Wirtschaft ist Nachhaltigkeit inzwischen alternativlos. Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitenden beispielsweise unterliegen dem Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Sie sind damit verpflichtet nachzuweisen, dass ihre Zulieferer bei der Fertigung ihrer Produkte die Menschenrechte achten und keine Umweltgesetze verletzen. Also stellen sie bei ihren Zulieferern die Bedingung, dass sie auch selbst nachhaltig wirtschaften und verlangen diesbezüglich Nachweise. Und bei Ausschreibungen der öffentlichen Verwaltung fließen bei der Bewertung der Angebote heute nicht selten Nachhaltigkeitskriterien ein.

Immer mehr Unternehmen gehen Nachhaltigkeit ganzheitlich an

Nachhaltigkeit im wirtschaftlichen Umfeld ist heute grob in den drei Themenfeldern Umwelt, soziale Verantwortung und Unternehmensführung aufgeteilt. Die meisten Unternehmen, insbesondere produzierende Betriebe, fangen mit dem Bereich Umwelt und Energie an. Hier gibt es auch die meisten technischen Standards, wie ISO 14001 oder ISO 50001, an denen sie sich richten und zertifizieren lassen können. Dienstleistungsunternehmen widmen sich eher dem Bereich soziale Verantwortung und wenden Standards wie amfori, SMETA oder die Norm ISO 26000 an, die allerdings nicht zertifizierfähig ist.

All die erwähnten Standards decken jedoch nur Teilaspekte der Nachhaltigkeit ab. Der einzige in Deutschland gültige und auch zertifizierbare Standard, der den Gesamtkomplex der Nachhaltigkeit in allen drei Themenkreisen umfasst, ist „ZNU – Nachhaltiger Wirtschaften“. Er wurde vom Zentrum für Nachhaltige Unternehmenswirtschaft der Fakultät für Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Witten/Herdecke, in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland entwickelt. Aktuell läuft ein Akkreditierungsverfahren bei der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS), um den ZNU-Standard auch mit den höchsten Weihen zu versehen.

Obwohl noch relativ jung, ist der ZNU-Standard in den vergangenen Jahren immer populärer geworden. Zum Partnernetzwerk des Zentrums gehören unter anderem Unternehmen aus der Lebensmittelbranche wie Barilla, Ritter Sport, Bauer oder Develey, Brauereien wie Bitburger und Krombacher, Dienstleister wie E.ON oder die Nagel-Group sowie Sportvereine wie der 1. FC Köln. Darüber hinaus zählt das ZNU zahlreiche Medienhäuser, Stiftungen und wissenschaftliche Organisationen zu den Unterstützern.

Auf dem bisher Erreichten aufbauen

Als Managementsystem basiert der ZNU-Standard auf einer Methodik, die Unternehmen hilft, sich ganzheitlich zur Nachhaltigkeit auszurichten. Das Gute dabei ist, dass man dabei nicht bei Null anfangen muss: Das ZNU-Verfahren setzt an den bestehenden Nachaltigkeitsaktivitäten an und unterstützt Unternehmen, eine ganzheitliche Vision für Nachhaltigkeit für ihr Unternehmen zu entwickeln und diese dann Schritt für Schritt bis zur Zertifizierung zu realisieren.

In diesem Sinne steht zu Beginn des Verfahrens eine Wesentlichkeitsanalyse, um zu bestimmen, welche Teilaspekte der Nachhaltigkeit eine besonders große Rolle bei der jeweiligen Organisation spielen, sowie eine GAP-Analyse, in deren Rahmen Einblick in die bisherige Unternehmensdokumentation genommen und Gespräche mit den Mitarbeitenden geführt werden. Die Ergebnisse dieser Analysen dienen als Basis für die anschließende Gegenüberstellung mit den Anforderungskriterien des ZNU-Qualitätsstandards, um daraus einen Statusreport zu erstellen und die Handlungsfelder bzw. Maßnahmen festzulegen.

Nachhaltig wirtschaften – und darüber sprechen!

Die Implementation der Maßnahmen im Rahmen des ZNU-Managementsystems folgt dem bewährten PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act). Nach der Ermittlung des Status Quo sowie der Bestimmung und Implementation der Maßnahmen wird deren Wirkung kontinuierlich beobachtet, evaluiert und optimiert, bis hin zur Zertifizierungsreife.

Als zusätzliche Komponente in diesem Zyklus sieht das ZNU-Verfahren die Kommunikation nach innen und außen vor – weil zum Grundgedanken der Nachhaltigkeit nicht nur der Blick auf die eigene Organisation, sondern auch auf das Gemeinwohl gehört. Dieser Aspekt ist bereits in der Wesentlichkeitsanalyse eingebaut: Die Frage „Welche Anforderungen hat mein Unternehmen an die Umwelt und welche Erwartungen hat die Umwelt an mein Unternehmen?“ stellt die doppelte Wesentlichkeit dar, welche sowohl die Innenansicht des Unternehmens als auch dessen Beziehung zur Außenwelt umschließt – und dazu gehört auch Transparenz und der Dialog mit der Gemeinschaft.

Das ZNU-Verfahren verankert Nachhaltigkeit in den Prozessen des Unternehmens auf eine Weise, die unabhängig von den jeweils agierenden Menschen funktioniert. Es etabliert den Nachhaltigkeitsgedanken als Philosophie, als Haltung und Denkweise, die entlang verschiedener technischer Normen nachhaltige Handlungsweisen als selbstverständlich erscheinen lässt. Die TÜV Rheinland Consulting begleitet Unternehmen bei der Einführung und Etablierung des ZNU-Verfahrens, sodass am Ende dieses Prozesses eine geeignete Zertifizierungsstelle dem Unternehmen eine ganzheitliche Ausrichtung zur Nachhaltigkeit attestieren kann.

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Cathrin Ribbrock